Zur Zeit sprechen immer mehr Eltern über “Unerzogen leben”. Hauptmerkmale dieser Trend sind, dem Kind nichts verbieten, nicht befehlen was es tun und nicht tun soll, nicht ermahnen zum danken und bitten, oder das Kind loben. In diesem Konzept steht, dass das Kind schon perfekt auf diese Welt kam und deshalb ist nicht notwendig, dem zu zeigen was falsch und was richtig ist, weil das Kind eigenes Kopf hat und wir Eltern sollten es so akzeptieren. Alles, was wir Eltern als falsch oder richtig sehen, ist nur unsere subjektive Meinung und muss nicht der Wahrheit entsprechen. Hier fällt das Wort “Elternschaft“ weg und ist mit “Partnerschaft“ ersetzt, also mit dem Kind wird gleichwertig wie mit dem Partner geredet.

Ich habe mich viel belesen, weil es wirklich eine interessante Thema ist und ich sprach darüber auch mit meiner Mama. Nach längeren Diskussionen sind wir dazu gekommen, dass ich fast genauso “erzogen“ wurde. Wie war meine Kindheit und ob meine Kinder auch Bedürfnisorientiert aufwachsen, könnt ihr hier weiterlesen.

 

Meine Kindheit

Als Kind hatte ich immer zu viel Energie und ich wollte lieber den ganzen Tag spielen als schlafen. Also machte ich ab 1.Jahr kein Mittagsschlaf mehr. Mit Essen war ich gar kein Freund. Meine Eltern und Großeltern mussten mir immer hinterherlaufen, bis ich Stück Brot oder was vernünftiges aß. Als ich in die Kita ging, fing meine Mutter wieder zu arbeiten und meine Oma holte mich immer ab. Da es mir in der Kita nicht wirklich gefiel, weil dort alle ein Mittagsschlaf machten und es war nötig zu hören, weinte ich jeden Morgen vor meiner Oma und sie kam mich dann mittags, vor dem Schlaf, immer abholen. Zu Hause musste ich nicht helfen. Ich war die jüngste und konnte somit TV schauen oder draußen spielen. In der Küche war ich auch nicht oft, wahrscheinlich auch deswegen, weil ich nie still sitzen blieb und deshalb sollte ich lieber woanders spielen. Schon als Kind unter anderen Kindern merkte ich schnell, dass ich viel zu viel darf, viel zu lange draußen bleiben darf oder dass ich alles bekam was ich wollte.

Ich war immer ein fröhliches Kind und auf meine Kindheit erinnere ich mich sehr gerne, doch es gibt Sachen, welche ich mit meinen Kindern klein bisschen anders mache.

  • Meine Kinder kennen Grenzen, kennen das “Nein, Das darfst du nicht, Sag danke, Sag bitte, Entschuldige Dich…“ Meine Kinder haben mich auch schon schreien gehört oder weinen gesehen, denn es geht nicht nur um Bedürfnisse den Kindern, sondern auch um meine.
  • Mein 3 Jähriges Kind macht immer noch Mittagsschlaf, obwohl sie jeden Tag protestiert, dass sie es nicht braucht. Doch nach 5 Minuten ist sie im Land den Träumen. Mein Kind braucht diese Ruhepause – auch in der Kita müssen die Kinder schlafen oder wenigsten liegen damit sie sich ausruhen.
  • Bei uns isst man am Tisch – alle, gemeinsam. Ich kannte das als Kind nicht und es gefällt mir so sehr, wenn sich die Familie zusammen am Tisch trifft. Und die Kinder kooperieren, essen was angeboten ist und wenn nicht, dann wird eine andere Lösung gefunden, aber wenigsten rennt niemand mit dem Essen herum. Meine Essgewohnheiten sind bis heute sehr schlecht – Ich esse im stehen, schnell und nur das was mir gefällt.
  • Meine 3 jährige Tochter geht zur Kita, obwohl ich zu Hause mit kleinerer Tochter bin. Sie überlebte den Kindergartenstart ohne Eingewöhnung und ja, mit ein paar Tränen aber seitdem sie dort ist, geht sie viel offener mit fremden Menschen um oder mag mit anderen Kinder spielen. Ab und zu spielt sie auch länger alleine und sie ist auch viel toleranter gegenüber anderen.
  • In der Küche dürfen die Kinder mithelfen. Beim kochen, rühren, mischen, schneiden. Es wird alles erklärt und auch kleine Aufgaben verteilt. Vorallem die große Tochter mag die Beschäftigung in der Küche und ich mag, wenn ich ihr “meine Kochkunst“ zeigen kann. Ich hoffe sehr, dass sie sich viel von zu Hause mitnimmt und später auch für ihre eigene Familie kochen kann, denn ich konnte es lange nicht und müsste alles von Anfang lernen.  

 

Ich möchte, dass aus meinen Kinder gesunde Persönlichkeiten mit großem Herz wachsen und deshalb versuche ich das umsetzten, was mir als Kind fehlte. Ich respektiere meine Kinder, liebe sie über alles, aber auf der anderer Seite zeige ich wo die Grenzen sind, was ist richtig und was ist falsch und das es manchmal sehr gut ist, an die andere zu hören. Das, dass die Erwachsene wahrscheinlich nicht immer Recht haben, aber haben mehr Erfahrung mit dem Leben und gut gemeinte Ratschläge helfen einem mit wenigen Fehltritten durch das Leben zu gehen.

Lassen wir Kinder Kinder sein, spielen und die Fantasie wirken. Aber lassen wir die Kinder nicht alleine, wenn die unsere Unterstützung brauchen. Denn im nachhinein wäre ich so froh gewesen, wenn meine Eltern in einigen Situationen die Verantwortung übernehmen und die Entscheidung für mich treffen auch wenn ich nicht immer damit einverstanden war.

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